About this Item
Die von Zincgref veranstaltete höchst seltene allererste Opitzausgabe. Sie wurde ohne Opitz' Wissen aus einem Manuskript, das dieser 1620 in Heidelberg zurückgelassen hatte, zusammengestellt und durch viele andere zeitgenössische und ältere Gedichte vermehrt. Damit hatte Zincgref nicht nur eine Anthologie des Heidelberger Dichterkreises zusammengestellt, sondern auch das erste Denkmal der Renaissancedichtung geschaffen, das er dazu mit einer wichtigen literarhistorischen Einleitung versah. Opitz beklagte das Erscheinen der Sammlung. Er sah, vor allem durch seine Jugendgedichte, die er in dieser Form nicht mehr anerkannte, seine hochfliegenden Pläne gefährdet. Sein 'Buch von der Poeterey' (1624) und die 'Acht Bücher Deutscher Poematum' von 1625 erschienen danach, mit durch diese Ausgabe veranlasst, gleichsam als Korrektur. "Man weiß, wie sehr diese . Sammlung und Herausgabe seiner Gedichte . Opitz verstimmt hat. Doch, fähig und willens, alles Gegebene zu verwerten, bedient er sich des Buches vorläufig, ja dediciert es Gönnern, wenn auch mit der einschränkenden Bemerkung, die Gedichte seien ab aliis collecta et edita , solange bis er seine eigene Ausgabe fertiggestellt hat . Neben den älteren, noch aus dem vorigen Jahrhundert hereinragenden Dichtern, wie Melissus, ist besonders Weckherlin durch eine ganze Reihe seiner Jugendgedichte vertreten, unter ihnen das berühmte Kriegslied 'Frisch auf, Ihr dapffere Soldaten'. Äußerst wichtig ist die ausführliche literarhistorische Einleitung Z's, in der er, das vergangene Jahrhundert zurückschauend, das Verhältnis der alten zur neuen Dichtweise streift, viele Dichternamen aufzählt, unter ihnen den damals schon sagenhaften Schwabe von der Heide, und auf Opitz als den Mittelpunkt des kommenden Zeitalters hinweist" (Wolfskehl). Zur Bewertung der Leistung und der Persönlichkeit Opitz' beides wird heute immer noch unterschätzt möchte ich hier das wiedergeben, was Karl Wolfskehl 1927 im Katalog zur denkwürdigen Versteigerung der Sammlung Manheimer geschrieben hat: "Wichtiger als alle Einwände, die in alter und neuer Zeit gegen Opitz erhoben wurden, ist die Tatsache seiner Anerkennung von Beginn der Literaturepoche, die er bewußt heraufführt, bis zu deren Abschluß. Über alle Gegensätze, ja über alle Veränderungen des Geschmacks hinaus war und blieb er während dieser Zeitspanne Gesetzgeber, Meister, Vorbild. Nicht wie wir ihn beurteilen, was er uns zu geben hat, hat bei unserer Bewertung mitzusprechen. Alle seine zeitgenössischen Gegner von Hübner bis Wekherlin (sie waren es zudem nur als vermeintliche Vorläufer) hat er zu sich bekehrt oder gezwungen. Alle Erweiterungen und Neuerungen in den theoretischen Anschauungen fußen bewußt und ausdrücklich auf ihm, wollen ihn nicht stürzen, sondern ergänzen. Mag er dürr oder reich, ein rationaler berechnender Vermittler fremden Gutes oder ein Feuerkopf gewesen sein: alle diese Fragen treten zurück vor der imposanten geschichtlichen Wirklichkeit, vor der Tatsache, daß es gerade in Deutschland, dem uneinheitlichsten aller Kulturgebiete, einmal einen wirklichen Diktator gegeben hat, daß ein Präceptor germaniae mit unbeschränkter Machtvollkommenheit ein ganzes Kunst- und Geistesgebiet zeitlebens und noch weit über seinen Tod hinaus beherrscht und gelenkt hat, daß ein ganzes Jahrhundert lang ein Dichter nicht höher geehrt werden konnte, als durch den Titel eines 'andern Opitz', und daß seine Regelung des deutschen Vers- und Satzbaues, die Aufhebung des altdeutschen rythmisch-musikalischen Verses, wie des bloß silbenzählenden zugunsten der strengen, von ihm eingeführten Accentuation bis heute herrscht. Seine Mittel waren kleiner, seine Absichten enger, unglückseliger die Zeit, für die er erstanden ist. Aber sein Werk hat er vollendet, den deutschen Vers hat er begründet und, mit der einzigen Ausnahme der katholischen deutschen Dichtung, die unbeachtet und nicht über sich hinausblickend ihrer eigenen Art gefolgt ist, ist das Jahrhundert, dem er angehörte, se.
Seller Inventory # 20963
Contact seller
Report this item