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Dies und das und das - Hardcover

Einzmann, Nadja

 
9783100170149: Dies und das und das

Synopsis

Zwei Jahre lang hat Nadja Einzmann die unterschiedlichsten Menschen zu ihrer Kindheit befragt. 31 kurze Porträts sind dabei entstanden, die so raffiniert kurz gehalten sind, dass trotz aller Disparatheit der Lebensentwürfe und Erfahrungen ein Lektüre-Sog entsteht und man immer weiterlesen will. Da ist Thomas, der Pfarrer, der früher so gerne Orgel gespielt hat und heute immer noch vor dem Schlafengehen sämtliche Gespräche vor seinem geistigen Ohr Revue passieren lässt: als Tonfolge, lauter und leiser, zärtlich, kokett, eine Fuge, ein Präludium. Oder Cynthia, die als kleines Mädchen einfach zu höflich war. Oder Rubin, der eigentlich Filme drehen wollte und stattdessen in dieser kleinen, etwas dunklen Wohnung sitzt und über das Phänomen der Zeit bei Sergej Eisenstein promoviert.

Dass gerade in banalsten Details oft der Schlüssel zum Verständnis einer Person liegt, ist eine Binse. Doch wie Einzmann diese Details herausarbeitet und ihr -- vermutlich recht umfangreiches -- Material genau auf jene entscheidenden Schlüssel-Momente hin verdichtet, ohne uns mit der Nase darauf zu stoßen, zeugt von einer großen literarischen Begabung. Die Geschichte von Cynthia gehört zu den berührendsten des Buches. Entschuldigen Sie, hatte sie gesagt schon mit fünf Jahren, entschuldigen Sie, würden Sie mir bitte dies oder jenes herunterreichen? (...) So redet kein Mädchen, ist ihr gesagt worden. Vielmehr hat man Angst vor kleinen Mädchen, die so reden, die höflich und mit hoheitsvollen Augen da stehen in ihrem Kleidchen, adrett und Erwartungen haben. Als junge Frau verliert Cynthia ihren Freund, er fällt im Jugoslawienkrieg. Seit zwei Jahren hat sie wieder einen Partner. Er ist freundlich und klug. Sie ist froh, dass es ihn gibt. Und Freundinnen hat sie, Freundinnen, denen sie etwas bedeutet. Beinahe jeden Tag steht eine vor ihrer Tür. Und das, denkt sie manchmal, ist ja schon etwas.

Manche Porträts bestehen bloß aus eineinhalb Seiten, und dennoch gelingt es der Autorin, auf engstem Raum die Persönlichkeit des Porträtierten herauszuarbeiten. Einzmanns Kunst besteht darin, die spezifischen sprachlichen Marotten und individuellen Erzähl- (sprich: Lebensbewältigungs-) Strategien freizulegen, zugleich aber eine über das Einzelporträt hinaus tragende, homogene Erzählerstimme zu entwickeln, die dem Ganzen Struktur gibt und in der jeweiligen Geschichte den roten Faden erkennen lässt. Einzmann schreibt gleichsam aus der literarischen Halbdistanz: Es gibt weder Innenansicht, noch Draufsicht. Nur das, was man in der Erzähltheorie transponierte Rede nennt.

Dieses Buch braucht keine Theorie. Es kommt ganz aus der Praxis des gelebten Lebens. Und wie man dieses in gute Literatur verwandelt, kann man letztlich nicht lernen. Aber hier nachlesen. --Axel Henrici

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