Published by Chur, 1728
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First Edition
Softcover. Condition: Befriedigend. 1. Auflage. Seltene gedruckte Predigt von 1728. --- Censura tepidorum, oder Bescheltung der Lauen. Das ist Eine Christliche, allein von etwelchen über aufgenommene Predigt, über die Wort JEsu Christi zu dem Engel und der Gemeinde zu Laodicea, Aus der Offenbahrung St. Johannis Cap. 3:15/16. In der Kirchen bey St. Regula in der Löbl. Stadt Chur, den 22. Hornung 1728. Vorgestelt, und nun aus erheblichen Ursachen zum Truck übergeben von Lucio de Cabalzar, V.D.M. Gedruckt im Jahr 1728. --- 28 Seiten (19,8 x 16 cm); ohne Einband. --- Die teils sehr derbe Predigt erregte damals großes Aufsehen; der Verfasser wurde daraufhin von seiner Stelle vertrieben. --- Ausführlich wird diese Predigt behandelt im Werk "Geschichte der Republik der drei Bünde (Graubünden) im achtzehnten Jahrhundert", Chur 1873, S. 228-230: "Mit den Insulten der Bürger und Cabalzar's Predigt verhielt es sich folgendermaßen: Vor dem Nachhausegehen von einem Abendtrunk hatten mehrere junge Leute vor einem, der Wohnung des Gesandten gegenüberliegenden Wirthshause ein Schmählied gesungen, einige indezente Ausdrücke zu seinen Fenstern hinaufgerufen und sich dann entfernt. Der Pfarrer Cabalzar hatte während des Congresses eine Preigt über den Text, Offenb. Joh. III, 15 und 16, gehalten: Ich weiß deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist u. s. w. Die Predigt ist in dem bekannten barbarischen Kanzelstyl jener Zeit, stellenweise äußerst derb und für unsere verwöhnten Ohren fast unerträglich, aber in durchaus biblischem Sinne, abgefaßt. Bis gegen das Ende hin verbreitet sich die Predigt über die Lauigkeit der Christen im Allgemeinen gegen das Wort Gottes, aber dann tritt Cabalzar mit allerdings schweren Anklagen gegen Diejenigen hervor, welche im Jahre 1639 und 1726 das Mailänder Capitulat mit seinen berüchtigten Artikeln 27 und 33 abgeschlossen. Da heißt es u. A. auf Seite 23: Unsere hohe und gemeine Landesregierung ist gleich worden dem Bild Nebucadnezars beim Daniel, dessen Haupt guldin, aber die Füß leimern und irdin; zu fürchten ist, daß die Laue des Regiments in der Religion und andern im Schwange gehende Sünden, als das vermaledeite Privatinteresse, der verfluchte Eigennut, die Gabenfresserei, das Ansehen der Person, die verdammten Pensionen, die Hintanseßung des allerheiligsten Glaubens, die forcht fremder Fürsten, werden unserem freien Stand den Hals brechen u. s. w. Unsere frommen Altfordern hatten diese Artiklen und Gesäß: Kein fremder Ambassadeur solle im Lande residiren, damit das Land nicht durch frömde Herren geregiret werde" u. s. w. Dann: O ihr Vorgesezten und Regenten, deren Religion ist Region, die ein Stück Brods dem Herzen Chrifti vorziehen, deren Gerechtigkeit ist Interesse, ihre Confession eine Confusion, und ihre Regierung eine machiavellische Politik und Trölwerk!" Die Predigt hatte, wie leicht zu denken, großes Aufsehen ge- macht und nicht bloß den Zorn des kaiserlichen Gesandten, sondern vorzüglich der Ehrendeputirten zum Mailänder Capitulat erregt, welche in einem Flugblatte den Pfarrer und seine Gesinnungs- genossen als ehrloje Schelmen und Ehrendiebe" denunzirten. Hierauf gab Cabalzar seine Predigt im Drud heraus, um sich zu rechtfertigen, aber seine Sache wurde dadurch nur verschlimmert, weil seine Feinde nun eine Handhabe erhielten, um den Verfasser um so sicherer verderben zu können. Ohnehin hatten die französisch Gesinnten ihrer Schadenfreude über die derben Sachen, welche ihren Gegnern in der Predigt gesagt werden, kein Hehl und für vielfache Verbreitung der Broschüre wurde hinlänglich gesorgt. Der Envoyé, der sich des Pfarrers in der That warm angenommen, vermochte ihn vor der Rache seiner Feinde nicht zu schützen. Auf Befehl des Bundestages mußte der Magistrat von Chur ihn absehen, und als gleich darauf die nahe Gemeinde Maladers im Schanfigg, welche zu Chur hielt, ihn anstellte, ruheten die Ehrengesandten nicht, bis der Bundstag ihn auch von dort vertrieben hatte." --- Zustand: Ohne Einband; etwas fleckig.