Published by Berlin, Verlag Luftbild-GmbH ohne Jahr (1921)., 1921
Seller: Antiquariat Les-art, Burgstetten, Germany
Quer-4°. 12 unnumerierte, einseitig bedruckte Kupfertiefdrucktafeln nach Photos eines oder mehrerer unbekannter Photographen. Goldgeprägter Okart. mit Buntpapierbezug und Kordelheftung. Vorsatz und erste Tafel mit Besitz- und Datumseintrag in kyrillischer Schrift. Gutes Exemplar. Sehr seltener und wahrscheinlich erster (deutscher) Photobildband mit Luftbildaufnahmen, die nicht für militärische Zwecke angefertigt wurden. Nicht bei Heidtmann. Die Anfänge der Luftbildphotographie gehen zurück auf den französischen Photographen Nadar (Gaspard-Félix Tournachon), der als erster 1859 bei der Schlacht von Solferino Luftbildaufnahmen aus einem Ballon heraus aufnahm. Die ersten deutschen Luftbilder machte 1886 Hugo vom Hagen, Leutnant der 1884 gegründeten Königlich Preußischen Luftschiffer-Abteilung in Berlin, ebenfalls aus Ballonen. Man experimentierte sogar mit unbemannten Drachen, Brieftauben, denen selbstauslösende, leichte Kameras umgebunden wurden oder wie der sächsische Ingenieur Adolf Maul seit 1903 mit seinem patentierten "Raketenapparat zum Photographieren bestimmter Geländeabschnitte". Im Ersten Weltkrieg begannen dann die Kriegsparteien erstmals zunächst wieder Ballone, dann aber auch Zeppeline und Flugzeuge zur Luftaufklärung einzusetzen. Neben den Piloten flogen Beobachter in den Maschinen mit, die bei Aufklärungsflügen zunächst eben nur beobachteten, um danach das Gesehene zu berichten, aber Dank verbesserter Technik wurden bald auch systematisch Kameras eingesetzt. "Nach dem Ersten Weltkrieg gründeten ehemalige Militärpiloten und Beobachter private Luftbildfirmen, um einerseits dadurch der drohenden Arbeitslosigkeit zu entgehen, andererseits die in der Bevölkerung und der Wissenschaft größtenteils unbekannte fotografische Sichtweise von oben kommerziell zu verwerten. 1919 entstanden die 'Luftbild-GmbH' sowie eine spezielle Abteilung innerhalb der 'Deutschen Luft-Reederei GmbH', beide in Berlin. Die 'Luftbild-GmbH' produzierte 1921 als Erste ein Album mit zwölf Kupfertiefdrucktafeln (das Vorliegende - die Kat.-Red.), das unkommentiert bekannte Bauwerke Berlins aus der Luft präsentierte" (Marco Rasch s.u.). Während für die militärische Luftaufklärung hauptsächlich Senkrechtaufnahmen angefertigt wurden, verwandte man hier Schrägluftaufnahmen, die auf Grund ihrer analogen Sichtweise (wie von einem hohen Berg oder Turm aus) einfacher zu lesen waren und sich daher besser für eine kommerzielle Verwertung in Büchern oder Postkarten eigneten. Siehe dazu ausführlich "Marco Rasch, Schrägluftaufnahmen in Deutschland 1918 bis 1945. Intention, Geschichte, Rezeption" (Dissertation) in der Zeitschrift "Fotogeschichte", Band 125, 2012. Siehe auch den Bericht des Autors auf der website "visualhistory" - "Zwischen Nationalstolz und Ideologie. Die Rezeption der Luftbilder in deutschen Publikationen zwischen 1918 und 1945", aus denen ich hier teilweise frei zitiert habe. Sprache: de.