Published by Zürich, 3. November 1983, 1983
Manuscript / Paper Collectible Signed
1 1/2 pp. 4to. Gelocht; Faltspuren. Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift (F.Leitner) an den Musiker Peter Muck (1918-2011) gerichtet, der von 1949 bis 1978 Mitglied der Berliner Philharmoniker war. In dem Schreiben geht es vor allem um den Dirigenten Karl Muck (1859-1940), den Leitner verehrte. [] Ich beobachte bei meinen Mitarbeitern, nicht nur den jungen, auch den älteren, dass ihnen der Name kaum etwas sagt. Vielleicht ist es aber in den USA anders. Er war ja wohl weit über 20 Jahre in Boston und anderen amerikanischen Städten ein führender Dirigent und eine Art Mitbegründer des Boston Symphony. Merkwürdigerweise habe ich seinen Namen sogar in Chicago vor gar nicht langer Zeit gehört. Europa scheint schneller zu vergessen. []"Ferdinand Leitner gab Anfang der 1930er Jahre sein Debüt zuerst als Pianist und dann als Chordirigent. 1935 wurde Leitner von Fritz Busch als Assistent nach Glyndebourne verpflichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg lauteten seine Stationen Hamburg und München. Von 1947 bis 1969 war er Opernchef und Generalmusikdirektor in Stuttgart. Anschließend verpflichtete ihn das Opernhaus in Zürich. Die Welt" schrieb am 7. Juni 1996 über Leitner: Er war vielleicht keiner der ganz Großen, aber sicher einer der besten."Der im Brief genannte Karl Muck feierte eine internationale Karriere - er gilt als einer der ersten Reisedirigenten. Muck hatte aber auch einen festen Platz bei den Bayreuther Festspielen. Dort dirigierte von 1901 bis 1930 (hauptsächlich) den Parsifal. Die Süddeutsche Zeitung schreibt: Der Dirigent Karl Muck etwa, lange als guter Geist am Hügel geläufig, gab sich bis 1930 offenbar die größte Mühe, das Festspielorchester nach seinen rassischen Vorstellungen zusammenzustellen. Als hochgebildeter Mann galt dieser Muck, wer nun aber die gescheiterten Berufsbiografien jüdischer Künstler auf dem Hügel vor 1930 durchgeht, stößt immer wieder auf den Namen dieses Hochgeachteten. Nach einer Neubesetzung schreibt Muck: Weil kein Arier zur Verfügung steht, müssen wir in den jüdischen Apfel beißen.'".