Published by [Zürich, Orell Füssli und Comp. 1853] -, 1853
Seller: Franz Kühne Antiquariat und Kunsthandel, Affoltern am Albis, Switzerland
Signed
Quer-4° (16.5 x 25.5 cm). VIII (=8 lithogr. Tafeln), 15+1 SS., 1 nn. Blatt zu Motiv 7, 'Märchen', mit 3+3 lithogr. Szenen mit Zwergen, 1 Textillustration in Holzstich. Schriftsatz dreispaltig in 7-Punkt Fraktur. Druck der Tafeln auf bläulich getöntem Papier. Lithogr. OBrosch.-Umschlag mit Titel und Impressum fehlt. Erstes Textbl. mit kleinerem Randausriss im Kopfsteg (ausserhalb Text), letztes Bl. in der oberen Ecke etwas knittrig. Seiten stellenweise etwas (stock-) fleckig. Etwas Alters- u. Gebrauchsspuren. Gesamthaft weitgehend sauberes, sehr ordentliches Exemplar. - - Tafel I ist im Stein signiert 'J. C. Werdmüller' - Digitalisiert in e-rara - Vgl. R. G. Schönauer, Zünfte und Sechseläuten, in: Autorenkollektiv, 650 Jahre Zürcher Zünfte, [1986], bes. p. 55 mit Abb. von Tf. III; A. Seebass, Kat. 636, Basel 1955, Nr. 1033 - Texte grösstenteils in Mundart, oft in Versform, zu den Partien: 1. Neujahrsgeschenk, 2. Osterhas, 3. u. 4. Sechseläuten Vormittag, bzw. Nachmittag, 5. Alpenreise: Eine Charade: Gebirgsgegend 6000' [Fuss] über der Meeresfläche, 6. Knabenschießen, 7. Märchen, 8. St. Niklaus [Nikolaus, Samichlaus], 9. Berchtoldsabend - Zu dieser Einweihungsfeier, und zum Beitrag Heinrich Cramers (1812-1871) s. Sechseläuten-Central-Comité, Hsg., Andenken an Heinrich Cramer. Zürich 1886, pp. 37-43: "Diejenige von allen Leistungen Heinrich Cramers [.] die ihm selbst [.] die liebste war, [.] war die Feier zur Einweihung der neuen Töchterschule [.]. [.] Er gieng mit um so grösserm Ernst an seine Aufgabe als er die Ansicht hegte und oft vertrat, dass den Mädchen ein Aequivalent für das Knabenschiessen [.] geboten werden sollte und mit Unrecht vorenthalten werde. [.] Unter dem Titel 'Kinderfreuden' wurde das Stück gedruckt, und, mit lithographischen Abbildungen der einzelnen Szenen von Werdmüller geschmückt, zur Erinnerung an die schöne Feier sämmtlichen Theilnehmern in die Hand gegeben." (p. 37 f. u. 41) - Das Album zeigt vorwiegend traditionelle Zürcher Festtage unter Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Die einstige Bedeutung spezifischer Elemente ist im Laufe der Zeit allerdings z.T. verblasst. Schönauer (op. cit.) zeigt dies am Beispiel der Mareilis und Bööggen, die in dem Album nicht als eigentliche Brauchtumsfiguren erkennbar sind: "Zusammen mit den spärlichen Bilddokumenten, die aber als zuverlässig betrachtet werden können, verdichtet sich das Bild der Mareilis und Bööggen. Nicht nur die Kleidung wird nachvollziehbar. Auch die [.] Bürsten finden sich immer wieder auf den Darstellungen. Die wohl schönste Bildquelle ist ein Album, das am 7. April 1853 den Teilnehmern an der Einweihung der Töchterschule beim Grossmünster überreicht wurde. Die Regie des geistvollen Jugendfestes mit Schüleraufführungen führte der Kinderfreund Heinrich Cramer, dem die Zünfte bekanntlich zahlreiche kostümierte Festumzüge verdankten. Die Lithographien mit den einzelnen Szenen stammen vom Zürcher Zeichner und Kupferstecher Johann Konrad Werdmüller (1819-1892). [.] Die Hinweise auf die Mareilis und Bööggen verlieren sich mit dem Ausklang des 19. Jahrhunderts. Die Ursache für das Verschwinden ist wohl in der wachsenden Stadt zu suchen. Doch schon Jahrzehnte zuvor lässt sich die Sorge über das Abklingen dieses Brauches feststellen." (p. 56 f.) -- Die Höhere Töchterschule wurde 1774 von der Lehrerin Susanna Gossweiler (1740-1793) in privaten Räumlichkeiten eröffnet; von 1793 bis 1853 war die Schule dann im Haus zum Napf untergebracht (Napfgasse 6). Reformen in den frühen 1830er Jahren stuften sie jedoch zurück. "Eine 'Höhere Töchterschule' war das nun allerdings nicht mehr, und sie bezog darum auch als gewöhnliche 'Mädchenschule' am 7. August 1853 das neue Grossmünsterschulhaus." (S. Zurlinden, Hundert Jahre: Bilder aus der Geschichte der Stadt Zürich, 2, 1915 p. 219; zur Eröffnungsfeier s. Bd. 1, 1914, p. 337) - Zu Chorherrenstift und Schulgebäude beim Grossmünster vgl. K. Escher, KD Kt. Zürich, Bd. IV: Stadt Zürich, 1, Basel 1939 : "Das Chorherrenstift am 10. April 1832 aufgehoben. [.]. Winter 1849/50: Stiftsgebäude geschleift. [. .1850-1853] Errichtung eines Schulhauses mit Kopie des Kreuzgangs nach Plänen von Gustav Albert Wegmann." (p. 152 f.). -- Heinrich Cramer (Zürich 1812-1871 ibid.), Metzgermeister u. Kunsthändler, verfasste gesellig-patriotische Gelegenheitsgedichte, -lieder und -dialoge vorwiegend im Zürcher Dialekt und insbesondere für Festanlässe der Stadt Zürich[.]. 1839-70 künstlerischer Leiter der Zürcher Sechseläuten-Festzüge (HLS). - Sprache: de.
Published by Zürich, Orell Füssli und Comp. 1853 -, 1853
Seller: Franz Kühne Antiquariat und Kunsthandel, Affoltern am Albis, Switzerland
Signed
Quer-4° (16.3 x 25.7 cm). VIII (=8 lithogr. Tafeln), 15+1 SS., 1 nn. Blatt zu Motiv 7, 'Märchen', mit 3+3 lithogr. Szenen mit Zwergen, 1 Textillustration in Holzstich. Schriftsatz dreispaltig in 7-Punkt Fraktur. Druck der Tafeln auf unterschiedlich getönten Papieren (1-4 bläulich, 5-8 écru). Lithogr. OBrosch.-Umschlag (grün) mit Rückendeckel-Vignette (Grossmünster mit Töchterschule). Seiten wenig knittrig, nur vereinzelt etwas (stock-) fleckig. Leichtere Alters- u. Gebrauchsspuren. Gesamthaft sauberes, recht gutes Exemplar. - - Vorderdeckel-Innenseite mit 'Prolog' in Reimform - Tafel I ist im Stein signiert 'J. C. Werdmüller' - Digitalisiert in e-rara - Vgl. R. G. Schönauer, Zünfte und Sechseläuten, in: Autorenkollektiv, 650 Jahre Zürcher Zünfte, [1986], bes. p. 55 mit Abb. von Tf. III; A. Seebass, Kat. 636, Basel 1955, Nr. 1033 - Texte grösstenteils in Mundart, oft in Versform, zu den Partien: 1. Neujahrsgeschenk, 2. Osterhas, 3. u. 4. Sechseläuten Vormittag, bzw. Nachmittag, 5. Alpenreise: Eine Charade: Gebirgsgegend 6000' [Fuss] über der Meeresfläche, 6. Knabenschießen, 7. Märchen, 8. St. Niklaus [Nikolaus, Samichlaus], 9. Berchtoldsabend - Zu dieser Einweihungsfeier, und zum Beitrag Heinrich Cramers (1812-1871) s. Sechseläuten-Central-Comité, Hsg., Andenken an Heinrich Cramer. Zürich 1886, pp. 37-43: "Diejenige von allen Leistungen Heinrich Cramers [.] die ihm selbst [.] die liebste war, [.] war die Feier zur Einweihung der neuen Töchterschule [.]. [.] Er gieng mit um so grösserm Ernst an seine Aufgabe als er die Ansicht hegte und oft vertrat, dass den Mädchen ein Aequivalent für das Knabenschiessen [.] geboten werden sollte und mit Unrecht vorenthalten werde. [.] Unter dem Titel 'Kinderfreuden' wurde das Stück gedruckt, und, mit lithographischen Abbildungen der einzelnen Szenen von Werdmüller geschmückt, zur Erinnerung an die schöne Feier sämmtlichen Theilnehmern in die Hand gegeben." (p. 37 f. u. 41) - Das Album zeigt vorwiegend traditionelle Zürcher Festtage unter Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Die einstige Bedeutung spezifischer Elemente ist im Laufe der Zeit allerdings z.T. verblasst. Schönauer (op. cit.) zeigt dies am Beispiel der Mareilis und Bööggen, die in dem Album nicht als eigentliche Brauchtumsfiguren erkennbar sind: "Zusammen mit den spärlichen Bilddokumenten, die aber als zuverlässig betrachtet werden können, verdichtet sich das Bild der Mareilis und Bööggen. Nicht nur die Kleidung wird nachvollziehbar. Auch die [.] Bürsten finden sich immer wieder auf den Darstellungen. Die wohl schönste Bildquelle ist ein Album, das am 7. April 1853 den Teilnehmern an der Einweihung der Töchterschule beim Grossmünster überreicht wurde. Die Regie des geistvollen Jugendfestes mit Schüleraufführungen führte der Kinderfreund Heinrich Cramer, dem die Zünfte bekanntlich zahlreiche kostümierte Festumzüge verdankten. Die Lithographien mit den einzelnen Szenen stammen vom Zürcher Zeichner und Kupferstecher Johann Konrad Werdmüller (1819-1892). [.] Die Hinweise auf die Mareilis und Bööggen verlieren sich mit dem Ausklang des 19. Jahrhunderts. Die Ursache für das Verschwinden ist wohl in der wachsenden Stadt zu suchen. Doch schon Jahrzehnte zuvor lässt sich die Sorge über das Abklingen dieses Brauches feststellen." (p. 56 f.) -- Die Höhere Töchterschule wurde 1774 von der Lehrerin Susanna Gossweiler (1740-1793) in privaten Räumlichkeiten eröffnet; von 1793 bis 1853 war die Schule dann im Haus zum Napf untergebracht (Napfgasse 6). Reformen in den frühen 1830er Jahren stuften sie jedoch zurück. "Eine 'Höhere Töchterschule' war das nun allerdings nicht mehr, und sie bezog darum auch als gewöhnliche 'Mädchenschule' am 7. August 1853 das neue Grossmünsterschulhaus." (S. Zurlinden, Hundert Jahre: Bilder aus der Geschichte der Stadt Zürich, 2, 1915 p. 219; zur Eröffnungsfeier s. Bd. 1, 1914, p. 337) - Zu Chorherrenstift und Schulgebäude beim Grossmünster vgl. K. Escher, KD Kt. Zürich, Bd. IV: Stadt Zürich, 1, Basel 1939 : "Das Chorherrenstift am 10. April 1832 aufgehoben. [.]. Winter 1849/50: Stiftsgebäude geschleift. [. .1850-1853] Errichtung eines Schulhauses mit Kopie des Kreuzgangs nach Plänen von Gustav Albert Wegmann." (p. 152 f.). -- Heinrich Cramer (Zürich 1812-1871 ibid.), Metzgermeister u. Kunsthändler, verfasste gesellig-patriotische Gelegenheitsgedichte, -lieder und -dialoge vorwiegend im Zürcher Dialekt und insbesondere für Festanlässe der Stadt Zürich[.]. 1839-70 künstlerischer Leiter der Zürcher Sechseläuten-Festzüge (HLS). - Sprache: de.