Published by Leipzig, Bayreuth, Frankfurt a. M., Aschau, Rottach am Tegernsee, Riva, Cortina, Falzarego und London, 1871 bis 1898., 1898
Seller: Antiquariat INLIBRIS Gilhofer Nfg. GmbH, Vienna, A, Austria
Manuscript / Paper Collectible Signed
Zusammen 69 SS. auf 36 Bll. (Qu.-)8vo. Mit einem eh. adr. Kuvert; die Karten mit eh. Adresse. Beilagen: Zahlreiche unbeschriebene Bildpostkarten und Zeitungsausschnitte. Hermann Zumpe war 1872 von Richard Wagner nach Bayreuth geholt worden, wo Zumpe drei Jahre lang neben u. a. neben Hermann Levi, Felix Mottl, Hans Richter, Anton Seidl und Adolf Wallnöfer als musikalischer Assistent in der "Nibelungenkanzlei" die Bayreuther "Ring"-Uraufführung von 1876 vorbereitete. Vergnügt berichtet er nach der Ankunft seiner Frau Camilla (an die sämtliche Schreiben gerichtet sind): "Wagner empfing mich sehr freundlich u stellte mich seiner Frau u dem gerade zu Besuch anwesenden Fr. Liszt vor. Tags darauf gab er eine mus. Soirée mit Diner, wobei ich mit eingeladen war; (u. noch 3 Collegen) da wurde gegessen, getrunken u. angestoßen, geraucht, gelacht. Wagner kam aus schlechten Witzen nicht heraus. Er besucht uns alle Tage auf unserer Nibelungenkanzlei u unterhält sich mit uns. Arbeit viel. Wohnung klein. Wir wohnen alle vier in Einem Hause; jeder ein Zimmer []" (22. X. 1872). - Und nun erzähle ich Dir von meinen Verhältnissen in B. Wir sind 4, 3 Kapellmeister (aus Pest, aus Wien u. auch Leipzig; den letzten kennst Du). Der 4. ist ein Musiker aus Leipzig. Wagner besucht uns fast alle Tage u. wir gehen dann gewöhnlich mit ihm zu Bairischem Bier. Er erzählt sehr gern u viel. Alles humoristisch. Allwöchentlich haben wir eine Soirée bei ihm. Heute Abend Abschied-Soirée; er tritt übermorgen seine Reise an, auf der er sich seine Sänger engagiren will []" (Brieffragment vom 3. XI. 1872). - Mehr als zwei Jahrzehnte später sollte Zumpe, der seit 1897 als Hofkapellmeister in Schwerin wirkte und mit diesem häufig Konzertreisen unternahm, wieder mit Felix Mottl zusammenarbeiten, der von 1898 bis 1900 die englischen Aufführungen der Opern Wagners im Londoner Royal Opera House Covent Garden leitete. Von dort berichtet Zumpe Mitte Mai 1898: "Das Orchester ist recht mässig und müde. Kein Wunder: jeden Tag hat es von 124 u. länger Probe u. jeden Tag Abend 8 Uhr Aufführung. Ich hatte am Tag der Walkürenaufführung von 14 Tristan Klavierprobe. Nächsten Tagg 11 Uhr Generalprobe Tristan. Und zwar wie zur Walküre eine einzige. So zu musizieren ist ! London ist ein schwarzes, schmutziges, grässliches Nest voll Staub u. dicker Luft, die Frau Sonne zu durchbrechen meist missglückt []". Wie um dies zu unterstreichen, weist der nächste Brief kleine Rostspuren von alten Büroklammern auf: "Wundre Dich nicht über den schmutzigen Briefbogen : so ist Alles in London, vor allem das berühmte Covent-Garden-Theater eine grosse Schmiere. Die ganze Sache muthet uns Deutsche an wie ein veritabler Circus. Von Kunst kaum eine Spur, ausser wo sie aus einzelnen bedeutenden Künstlern herausschlägt wie die Flamme aus einem dreckigen Kohlenhaufen. Das Orchester hat seit 5 Wochen jeden Tag 34 Stunden Probe u. Abends Aufführung von 812 Uhr. Was dabei herauskommen kann, ist Dir wohl klar. Mottl schwitzt jetzt in Ringproben. Er ist ganz entsetzt über das Alles, muss aber mitmachen, so gut d. h. so schlecht es eben geht []" (7. Juli). - Nach vierjähriger Tätigkeit in Schwerin, in der er die Schweriner Hofkapelle zu einer der besten im Deutschen Reich hochdirigierte, kehrte er nach München zurück und übernahm die künstlerische Leitung des neuerbauten Prinzregententheaters. - Meist kleinere Gebrauchsspuren, insgesamt aber gut erhalten. Die Briefe aus London auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf von Weddes Hotel zum Löwenbräu. - Eigenh. Briefkarte mit U.