Die Weimarer Republik ist zum Synonym für ein gescheitertes, tragisches politisches Experiment geworden. Der offizielle Zeitraum ihres Bestehens, 1919-1933, kennzeichnete die Zwischenkriegsjahre in Deutschland und die damit verbundene Unsicherheit, das Chaos und den endgültigen Zusammenbruch des Staates. Historiker haben festgestellt, dass die Wurzeln des Nationalsozialismus in der Weimarer Zeit liegen und dass die Weimarer Politiker letztlich freiwillig die Macht an den Mann übergaben, der Zerstörung in epischem Ausmaß anrichtete: Adolf Hitler. Die Weimarer Zeit war jedoch Ausdruck einer Reihe von Tendenzen und Brüchen in der deutschen Gesellschaft wie auch in der internationalen Gemeinschaft. Die Weimarer Republik war ein Gefangener der Ereignisse und hatte auf lange Sicht wenig Macht, sie zu gestalten. Historiker interpretieren die Vergangenheit gerne als ein Spannungsverhältnis zwischen menschlichem Handeln, d.h. Entscheidungsfindung, und strukturellen Entwicklungen, die sich individuellen Entscheidungen entziehen. Diese beiden Interpretationen sind für die Untersuchung der turbulenten Jahre der Weimarer Republik von entscheidender Bedeutung.
Die frühen 1930er Jahre waren für die deutsche Politik eine stürmische Zeit, selbst im Vergleich zum anhaltenden Übergang in die Moderne, der im Rest der Welt verschiedene Formen von Chaos verursachte. In den Vereinigten Staaten trugen das Festhalten am überholten Goldstandard und eine absurd sparsame Geldpolitik zur Großen Depression bei. In der Zwischenzeit begann das japanische Kaiserreich mit der Invasion der Mandschurei sein letztlich fatales Abenteurertum und entfremdete mit seinen Gräueltaten den Rest der Welt. Ungefähr zur gleichen Zeit begann Gandhi mit seinen Bemühungen um die friedliche Unabhängigkeit Indiens durch gewaltlose Proteste gegen die Briten.
In Deutschland wurde jedoch die stärkste Saat für die künftige Tragödie gesät. Die sich abmühende Weimarer Republik war zu einem Nährboden für extremistische Politik geworden, darunter zwei gegensätzliche und mächtige autoritäre Gruppierungen: die rechtsgerichteten Nationalsozialisten und die linksgerichtete Kommunistische Partei KPD. Zu Beginn der 1930er Jahre hielten sich diese beiden totalitären Gruppen gegenseitig in einer vorübergehenden Pattsituation, so dass das zerbrechliche Gespenst der Demokratie noch ein paar Jahre lang ein weitgehend illusorisches Überleben führen konnte.
Diese Pattsituation wurde in einer bitterkalten Nacht Ende Februar 1933 auf dramatische Weise durchbrochen, und es waren die Nazis, die als entscheidende Sieger hervorgingen. Ein einziger Brandanschlag auf das berühmte Reichstagsgebäude erwies sich als Katalysator, der Adolf Hitler zum Sieg bei den Wahlen im März 1933 verhalf und die deutsche Nation unwiderruflich auf den Weg in den Zweiten Weltkrieg brachte. Dieser Krieg sollte einen Großteil der Welt in einen existenziellen Kampf stürzen, der letztlich schätzungsweise 60 Millionen Menschen das Leben kostete.
Die Weimarer Republik: Die Geschichte Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Aufstieg der NSDAP schildert die entscheidenden Ereignisse in den Jahren zwischen dem Ersten Weltkrieg und Hitlers Machtübernahme. Zusammen mit Bildern von wichtigen Personen, Orten und Ereignissen lernen Sie die Weimarer Republik wie nie zuvor kennen.
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