About this Item
41 S., 10 Abb., Tab. Ein gutes und sehr sauberes Exemplar. - Aus der Einleitung: Die wissenschaftliche Auffassung vom Lebendigen wird heute in Begriffen der Molekularbiologie zum Ausdruck gebracht. Die Molekularbiologie - eine junge Disziplin, die sich erst seit den 1950er Jahren konstituierte entwickelte sich in einem Begriffssystem, das an vielen, entscheidenden Punkten durch Konzepte aus dem Bedeutungsfeld der Schrift bestimmt wird. Skripturale Termini sind tragende Elemente des begrifflichen Gerüstes, in dem die Lebenswissenschaften ihre Gegenstände konzipieren und das den Forschungen im Labor und den biotechnologischen Entwicklungen zugrundeliegt. Die Frage, die durch diesen Sachverhalt aufgeworfen wird, ist: Welchen Stellenwert kann eine Terminologie, die wir für gewöhnlich auf das Feld des menschlichen Zeichengebrauchs und der Kommunikation zwischen Subjekten beziehen, haben, wenn sie auf biologische Vorgänge, also auf Vorgänge in der Natur bezogen werden? Der Einsatz der skripturalen Termini in der Biologie ruft eine ontologische Irritation hervor, er verwischt eine Grenze, die wir zumeist als selbstverständlich voraussetzen. Es kann deshalb kaum verwundern, dass er heftige Debatten um seine Berechtigung ausgelöst hat. In Bezug auf diese Debatten werde ich im Folgenden argumentieren, dass der Einsatz der skripturalen Begriffe in der .Vorgeschichte* der Molekularbiologie, also in der Entwicklung unterschiedlicher Disziplinen zwischen 1870 und 1950, tief in biologischen Fragestellungen und Phänomenen motiviert war. Das Phänomen einer Kombinatorik von wenigen Elementen, die als lineare Sequenz die formgebende Instanz für Entwicklung und Gestalt des Lebewesens bildet, legte die Analogie zu Buchstabensequenzen in Systemen des Schriftgebrauchs in einer Weise nahe, die starke Evidenzen sowohl auf der Ebene der Konzeption als auch auf der Ebene der Darstellung entwickelte. Diese Evidenzen werden in den derzeitigen Debatten um die Berechtigung des Einsatzes der skripturalen Begriffe kaum in Rechnung gestellt, wofür zuvorderst zwei Gründe anzuführen sind: Zum einen wird weithin unterstellt, dass der Einsatz von semiotischem Vokabular (gemeint ist das skripturale in seiner Erweiterung um informationstechnische Begriffe) zu einem deterministischen Zusammenhang zwischen .Genskript* und lebendigem Organismus führt (was von den einen begrüßt, von den anderen angegriffen wird); zum anderen hat die phänomenale Motivationslage für den Einsatz semiotischer Begriffe in der Biologie, trotz einer Reihe historischer Untersuchungen in diesem Feld, bislang erstaunlicherweise noch nicht ausreichend Berücksichtigung gefunden. Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 550.
Seller Inventory # 1239577
Contact seller
Report this item