Die beiden vorliegenden Bände stammen aus dem Nachlass des französischen Architekten E. Baurienne und bilden möglicherweise dessen gesamten heute erhaltenen Nachlass. Biographisch ist nur wenig über ihn bekannt, ja nicht einmal sein Vorname ließ sich für uns bislang ermitteln. Angesichts der Tatsache, dass er mit so vielen konkreten Bauprojekten in Verbindung gebracht werden kann, ein erstaunlicher Befund. Fraglos könnten die beiden schwergewichtigen Bände Grundlage einer Monographie dieses vielseitigen Architekten werden. Die folgenden Ausführungen stützen sich allein auf deren erste Auswertung. Lediglich das im Internet zugängliche Inventaire général du patrimoine culturel ist noch zu erwähnen, das 17 Bauprojekte von Baurienne auflistet: Schulen, Bürgermeisterämter, Brücken, Renovierungen alter Kirchen, darunter viele Projekte, die nicht in den vorliegenden Bänden dokumentiert sind. Baurienne war zwischen 1840 und 1887 in der Gegend südwestlich von Paris tätig, in vier Départements, die unmittelbar an den Großraum der Hauptstadt grenzen: Essonne, Eure-et-Loir, Seine-et-Marne und Yvelines. Vor allem war er in Essonne und Yvelines tätig, die zu seiner Zeit zum 1968 aufgelösten Département Seine-et-Oise gehörten. Sein Briefpapier, das sich in einem der Bände erhalten hat (I, 6v), verrät, dass er zumindest in den 1840er Jahren in dem kleinen Örtchen Bandeville bei Paris lebte: `E. Baurienne. Architecte. A Bandeville. C.me de S.t-Cyr-sous-Dourdan (Seine-et-Oise).` Mittelpunkt dieses Ortes ist bis heute ein Schloss, das schon damals der Familie Pourtalès gehörte. Ob Baurienne mit dieser in Verbindung stand und etwa im Bereich des Schlosses wohnte müssen weitere Recherchen ergeben. E. Baurienne, der wohl gegen 1815 geboren sein dürfte, war ein Zeitgenosse von Hippolyte Durand (1801 - 1882), von Georges-Eugène Baron Haussmann (1809 - 1891), dem Erneuerer von Paris, von Eugène Viollet-le-Duc (1814 - 1879), von Charles Garnier (1825 - 1898), dem Erbauers der Pariser Oper, oder des Italieners Alessandro Antonelli (1798 - 1888) sowie der preußischen Architekten Friedrich August Stüler (1800 - 1865), Heinrich Strack (1805 - 1880) und Martin Gropius (1824 - 1880). Der vorliegende Nachlaß böte ausreichend Material, das reiche Schaffen eines jahrzehntelang mit kleineren und größeren Aufträgen betrauten, vielbeschäftigten Architekten in der Provinz gerade auch vor dem Hintergrund dieser architekturgeschichtlich weit erfolgreicheren und prominenteren Architekten zu analysieren. Obwohl Baurienne in unmittelbarer Nähe der Metropole Paris lebte und wirkte, scheint er dort nicht tätig gewesen zu sein, sondern konzentrierte sich ganz auf eine anspruchsvolle ländliche Klientel: Guts- und Schlossbesitzer, Bürger in Kleinstädten, die Kirche sowie öffentliche Gemeinden. Betrachtet man die beiden Bände im Überblick, so zeigt sich, dass Baurienne alle diese Aufgaben souverän beherrscht zu haben scheint, so dass er seinen Auftraggebern überzeugende Lösungen für Ihre Wünsche anbieten konnte und sich im Laufe der Jahre zu einem angesehen und gefragten Architekten etablierte. Die Qualität seiner Zeichnungen, wie sie sich durchgehend in den vorliegenden Bänden findet, setzt eine professionelle Architektenausbildung zwingend voraus, die aller Wahrscheinlichkeit nach doch wohl in Paris erfolgte. Ob er dabei an der École des Beaux-Arts, wie beispielsweise Garnier, oder doch eher an der École Polytechnique studierte, muss offenbleiben. Die solide Ausbildung eines professionellen Architekten versetzte ihn in die Lage, streng angeordnete und schlüssig aufgebaute Zeichnungen zu liefern, wie sie notwendig waren, um zum einen dem Bauherrn seine Ideen und Lösungen überzeugend zu vermitteln und zum anderen später die tatsächliche korrekte Ausführung zu gewährleisten. Eine wichtige Einnahmequelle waren für Baurienne repräsentative bürgerliche Wohngebäude in Kleinstädten. Dabei scheint er den Geschmack der Bauherren exakt getroffen zu haben. Diese Gebäude, von denen sich.