Published by [Zürich, Verlag von Heinrich Keller / Lithographie v. (Georg Adolf) Grimminger in Zürich] 1850., 1850
Seller: Franz Kühne Antiquariat und Kunsthandel, Affoltern am Albis, Switzerland
Gestochene u. lithographierte, teilkolorierte Faltkarte (ca. 40.7 x 41.2 cm, gefaltet ca. 13.8 x 10.2 cm), der ?Maasstab von 3 Schweizer Stunden zu 16?000 Schweizer Fuss [.] ist nahezu 1 : 150?000?, in 12 Blättern a. Ln. aufgezogen (Rückseite partiell wenig stockfleckig) in OKart.-Schuber mit mont. Titel. 3 Segmente verso mit mont. Verlagsanzeigen. Gest. Titel mit Zeichenerklärung im Segment u.r. Erste Ausgabe. Etwas Alters- und Lagerungs-, weniger eigentliche Gebrauchsspuren. Gesamthaft sauberes, recht gutes Exemplar. Nicht bei Engelmann. ? Mont. Titel a. Schuber: ?Kanton Luzern, gezeichnet von Heinr. Keller, Sohn. Zürich, Verlag von Heinrich Keller 1850? ? Karte im unteren Rand grösserenteils verdeckt unter der Leinwandfassung bez. ?Gez. von H. Keller, Sohn? (u. lks.) und ?Lith.e von Grimminger in Zürich? (u.r.). ? Vgl. e-rara.ch: Karte vom Kanton Luzern: Dula, Franz; Zürich, 1850; Zentralbibliothek Zürich, Signatur: 3 Ji 06: 4 Expl 2 / Persistenter Link dx.doi 10.3931/e-rara-32833, mit Vermerk: Kartendaten [Ca. 1:150 000] (E 7°46'-E 8°32'/N 47°17'-N 46°46'). ? Koloriert sind in kräftigen Farben die Grenzen (Kantons- und Ämtergrenzen), Gewässer, Städte und Hauptstrassen. Eisenbahnen sind keine eingezeichnet: um 1850 gab es ausser der 1847 eröffneten Strecke Zürich-Baden (sog. Spanisch-Brötli-Bahn) praktisch noch keine Eisenbahnverbindungen. Deren Bau in grösserem Stil begann eigentlich erst ab 1850 (vgl. dazu H.-P. Bärtschi u. A.-M. Dubler, in: HLS, Lemma Eisenbahnen). ? Die Karte erfreute sich offenbar einer bemerkenswert anhaltenden Nachfrage: sie wurde mehrfach revidiert und bis 1861 neu herausgegeben. Danach dürften die Aufnahmen der Dufourkarte (Blätter VIII und XII) aus den Jahren 1845?1865 sowie die grossmassstäblichen der Siegfriedkarte (seit 1870, ca. 40 Blätter 1 : 25?000 betr. den Kt. Luzern) von den interessierten Kreisen bevorzugt worden sein. ? Die vorliegende, auch historisch interessante Kantonskarte in relativ grossen Massstab erinnert noch an die etwas altertümliche Version gezeichnet von Heinr. Keller u. gestochen von [wohl: Johannes] Senn aus dem ?Helvetischen Almanach für das Jahr 1804?, die aber mit einem ?Maasstab v. 3 Schweizerstunden?, = ca. 1 : 270?000 und einem Format von 22.5 x 28.45 cm deutlich kleiner angelegt war (vgl. e-rara-32829, online). Von der Zeichnung und Schraffierung her jedoch gleicht sie mehr der Aufnahme von Jost Pfyffer von Altishofen, gest. von J. Scheurmann (od. Scheuermann), aus dem Jahre 1822 (s. e-rara-32801). Wie bei diesen Darstellungen werden auch in der Kellersch?schen Karte von 1850 die östlich angrenzenden Gebiete der Zentral- und Innerschweizer Kantone nur wenig berücksichtigt. ? Historisch dokumentiert diese Karte vor allem siedlungsgeschichtliche Aspekte und die Entwicklung der verkehrstechnischen Erschliessung. Die politischen Turbulenzen der vorangegangenen Regenerationszeit finden in den ?Bemerkungen? im untersten Mittelsegment noch einen ansatzweisen Niederschlag: ?Die früheren Klöster St. Urban und Werthenstein sind nun Pfarreien. In Rathausen befindet sich das Seminar. Eschenbach ist zugleich Pfarrei.? Dies findet denn auch bei den verschieden gestalteten Symbolen für Klöster (bestehende, gewesene, zerstörte) Berücksichtigung. ?? Heinrich Keller (Zürich 1778?1862 ibid.), von Zürich. Keller liess sich bei Johann Heinrich Füssli in Zürich ausbilden und war dann als Kartograf, Panoramenzeichner und Verleger in Zürich tätig. 1799 gab er für ein Reisehandbuch seine erste Karte der Schweiz heraus, 1804 sein erstes Panorama von Rigi-Kulm, dem weitere Panoramen folgten. 1813 erschien seine ?Erste Reisekarte der Schweiz? (Nachdrucke in verbesserten Auflagen), 1833 seine ?Zweite Reisekarte der Schweiz? Keller schuf weitere Karten, so 1814 eine Karte des Kantons Zürich sowie Karten der Kantone Waadt und Tessin, aber auch Schul- und Wandkarten sowie einen Schulatlas. 1834?1837 folgten Zonengemälde (Profildarstellungen von Berglandschaften mit ihren Klimazonen). Sein gleichnamiger Sohn (1829?1911), der ebenfalls als Kartograf arbeitete, führte die kartografische Anstalt des Vaters weiter. 1909 wurde der Betrieb von Kümmerly & Frey in Bern übernommen. (U. Schertenleib, in: HLS). ? Franz Dula (Luzern 1814?1892 Baden AG), von Buttisholz. Studium der Geschichte und der Pädagogik in Jena, [u.a.] 1849?1867 Direktor des Lehrerseminars Rathausen, 1867?1886 des Lehrerseminars Wettingen, danach bis 1891 Lehrer. 1847-49 liberaler Luzerner Regierungsrat (Säkularisation der Klöster St. Urban und Rathausen), 1859?1867 Grossrat. 1848?1867 Präsident des Erziehungsrats. Schöpfer des Luzerner Erziehungsgesetzes von 1848, Förderer der Volksschule, der Frauen- und Berufsbildung. Initiant der Luzerner Lehrerkonferenzen, des Schweizerischen Lehrervereins und der ?Schweiz. Schulzeitung? [.] Das Dula-Schulhaus in Luzern erinnert an die Verdienste des freiheitlich gesinnten, toleranten und pädagogisch vortrefflichen Erziehers, dem indes von konservativer Seite wiederholt zu grosse Nachsicht vorgeworfen wurde. (R. Bussmann, in: HLS). ? Georg Adolf Grimminger (Stuttgart 1802?1877 ibid.), Deutscher Lithograf. 1839 wurde ??Georg Adolf Grimminger von Stuttgard in Würtemberg [sic], ledig, Lithograph? die Niederlassung in Zürich gewährt (s. suchesstaatsarchiv djiktzh, online). ? Grimminger ?kam 1833 nach Zürich, führte hier als erster die Lithographie ein und gründete mit dem Zürcher Johannes Schweizer eine lithographische Anstalt mit Druckerei unter der Firma Schweizer & Grimminger. Grimminger war ein vorzüglicher Fachmann, und seine auf Stein gezeichneten Porträts sind von feinster Ausführung. Ende der 50er Jahre verlegte er sich auf die Photographie und warf sich so rücksichtslos auf die Erfindung der Photolithographie, dass er sein Geschäft vernachlässigte und Zeit und Geld seinen Proben und Versuchen opferte. 1868 kam die lithographische Anstalt zum Verkauf, und Grimminger zog sich nach Stuttgart zurück, wo er in ärmlichen Verhältnissen lebte und am 8. Juni 187.