Jarosch Jorg (1 results)
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Add to basketBei dem Entwurf für ein Bootshaus handelt es um ein Geschenk des jungen Architekten Jorg Jarosch, eines Schülers von Clemens Holzmeister, der gerade sein Studium an der Wiener Akademie der Künste abgeschlossen hatte: "Meinem lb. Freund Heinz Schirmer zugedacht. Weihnachten 1930. J." heißt es in der Widmung. Wer Heinz Schirmer is…t und ob das Bootshaus überhaupt realisiert wurde, ja ob überhaupt eine Chance dafür bestand wissen wir nicht. Jedenfalls demonstriert Jarosch in den Zeichnungen seine Fertigkeiten als Architekt, indem er dem Betrachter die zwei Ebenen des Grundrisses, mit dem eigentlichen Bootshaus im Erdgeschoss und einer Wohnung im darüber liegenden Obergeschoss, vor Augen führt sowie die zugehörigen vier Außenwände. Das in Holzbauweise gedachte Gebäude mit niedrigem und oben flach gehaltenem Walmdach wirkt einfach und wird vor allem durch die allein nach funktionalen Gesichtspunkten angeordneten Wandöffnungen (diese in unterschiedlicher Größe) gegliedert. Besondere Akzente setzen Geländer, die die Außentreppen und Terrasse begrenzen. Lebhaft fühlt man sich an das nur ein Jahr früher von Konrad Wachsmann (1901 - 1980) errichtete Sommerhaus für Albert Einstein in Caputh erinnert. Durch die Darstellung des einfahrenden Segelboots wird die Einheit von Nutzung und Bauwerk auch visuell unterstrichen, Boot und Haus verschmelzen zu einer funktionalen Einheit. Dazu im Kontrast steht die Einrichtung des Wohnraumes im Obergeschoss, die auf drei Blaupausen dargestellt ist, mit Mobiliar im Stil des Art déco, darunter ein Buffet, ein Bücherregal und ein eigenwillig gestaltetes Sofa. Und auch die drei beigefügten Blaupausen eines Speisezimmers eines Nürnberger Stadthauses zeigen Jarosch als Entwerfer von aufwendigen Einzelmöbeln wie eines Buffets und einer Vitrine: Aufriss einer Wand des Speisezimmers (18 x 35,5 cm, Maßstab 1:20), Entwurf zu einem Buffet (20 x 33 cm, Maßstab 1:10) Entwurf zu einer Vitrine (20,5 x 27 cm, Maßstab 1:10). Bei all diesen Möbelentwürfen erweist er sich stark dem Art déco verpflichtet und damit prädestiniert für eine wohlhabende Auftraggeberschicht, die teure Materialien und schöne Oberflächen liebte, sie aber in einem schlichten und funktionalen Design verarbeitet sehen wollte. Einblick in Jaroschs Denken gibt der dem Bootshausprojekt beigefügte handschriftliche Text. Jarosch erörtert hier sein Projekt nämlich nicht im technischen Sinne, vielmehr entwickelt er einen architekturtheoretischen Überbau. Zunächst vergleicht er das Bootshaus mit einer Garage. Letztere gehorche allein dem Zweck und bilde somit eine "vorteilhafte Kulisse", um "die rassigen Formen und Linien" des Automobils nicht zu beeinträchtigen. Auto wie Segelboot hätten ihre "unzweideutigen Formen, aus dem Zweck entstanden, also schön." Die Schönheit des Zwecks, das "Zweckgefühl" liefe freilich bisweilen Gefahr, durch eine "spezielle Romatik" "vollkommen verleugnet" zu werden. Dazu zählten überdeutliche Anklänge an andere Baugattungen wie die Alpen- oder Fischerhütte, die doch mit dem Segelsport nichts zu tun hätten. Auch müsse das Zweckgefühl Rücksicht auf Nebensächlichkeiten nehmen, die mit der reinen Zweckform des Segelboots nur bedingt etwas zu tun haben. Gemeint sind notwendige Funktionen, die sich aus den Konventionen des Segelsports ergeben: Der Bedarf eines Umkleideraums, eines Wohn- und Essraums, um Gäste zu bewirten, einen Schlafraum, um bessere Witterung abzuwarten oder gar Urlaub "mit Kind und Kegel" hier zu verbringen. Diese Nebenächlichkeiten überlagerten bisweilen gar das Hauptthema. Dennoch müsse sich die Architektur des Bootshauses aus dem Zweck und der Kultur, mithin auch der Mode (alles in Weiß), des Segelsports entwickeln. Jorg Janosch wurde am 20. März 1905 in Erlangen geboren und verstarb am 20. April 1980 in Baden bei Wien. Nach dem Besuch der Realschule in Nürnberg ging er zunächst an die dortige Bau- und Kunstschule. 1926 nahm er ein reguläres Studium Architekturstudium an der Wiener Akademie der bildenden Künste au.