Published by Paris wohl nach 1811., 1811
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Rundes Bild - Durchmesser 6 cm (Blattgröße ca. 9 x 8 cm). Im Unterrand der Platte bezeichnet "Dess(in) et Gr(avure) par Bouchardy Suc(cesseur) de Chrétien inv(enteur) du Physionotrace Palais Royale No. 82 à Paris". In schwarz lackiertem, zeitgenössischem Holzrähmchen mit reicher Stuckverzierung. Weiß hintermaltes Glas mit oktagonalem Bildausschnitt mit umlaufender gemalter Kante in Gold und Schwarz (Gold teilweise etwas abgesplittert). Sehr gut erhalten. Von großer Seltenheit. Der Violincellist Gilles Louis Chrétien (1754-1811) stellte der Akademie der Wissenschaften in Paris 1786 den von ihm erfundenen Physionotrace-Apparat vor. Er entsprach in seinen Grundzügen der Apparatur, welche bereits Lavater zum Silhouettieren benutzte, nur daß hier der Zeichner die Konturen des Gesichts nicht mit der freien Hand nachzeichnete, sondern dazu einen Storchenschnabel benutzte. Das Physionotrace war im Gegensatz zur Silhouette ein teilmechanisiertes Abbildungsverfahren. Auf dem Weg zur Mechanisierung der Abbildung ohne die eingreifende Hand des Künstlers, stellt es die letzte Stufe vor der Photographie dar; durch seine Reproduzierbarkeit geht es sogar über die Daguerreotypie hinaus, die ja ein einmaliges Bild war, von dem keine weiteren Abzüge gemacht werden konnten. Das fertige Physionotrace-Portrait maß im Durchmesser 5-7 cm und wurde in einem weiteren Arbeitsgang in Kupfer gestochen. Von dieser Druckplatte konnten bis zu 2000 Abzüge angefertigt werden, in aller Regel wurden aber kaum mehr als ein Dutzend Drucke angefertigt. Die Portraits wurden z.T. auch koloriert. Das Verfahren erlangte aber über Frankreich hinaus kaum größere Popularität. Edme Quenedey des Riceys (1756-1830), ein Kupferstecher und Radierer, der 1788/89 bei Chrétien arbeitete und sich dann selbständig machte, war zwar auch in Brüssel und Hamburg tätig, jedoch ist über diese Zeiten bisher wenig bekannt. In den USA wurde das Verfahren wohl 1796 von J.J. Boudier eingeführt. Auch Charles Balthazar Julien de Fevet Saint-Memin (1770-1852) übte dort das Verfahren u.a. in New York zusammen mit seinem Landsmann Thomas Bluget de Valdenuit aus und schuf dabei auch Physionotrace-Portraits mehrerer US-Präsidenten. Der Miniaturmaler Bouchardy (père - 1797-1849) - sein Vorname ist nicht sicher überliefert - übernahm nach Chrètiens Tod 1811 dessen Atelier. Über sein Leben weiß man gesichert nur, daß er einer auf Miniaturmalerei spezialisierten Portraitistenfamilie entstammte, ob sein vermutlicher Sohn Etienne ebenfalls Pysionotraces verfertigte ist fraglich. 1932 erschien in Paris das Buch "Les portraits au physionotrace graves de 1788 à 1830. Catalogue nominatif[.]" von René Hennequin, die alle bis dato dem Verfasser bekannt gewordenen Physionotrace-Portraits katalogisierte. Ob vorliegendes Physionotrace dort angezeigt wird weiß ich nicht, da mir das heute selbst schon sehr seltene und gesuchte Werk nicht zur Verfügung stand (von Hennequin gibt es noch weitere Veröffentlichungen zum Thema, u.a. eine Biographie Edme Quenedeys). Empfehlenswert ist auch der sehr gut recherchierte Wikipedia-Artikel zum Thema, dem ich ein paar neue, mir bisher unbekannte Daten entnahm. Sprache: fr.