Language: German
Publication Date: 1993
Seller: Herr Klaus Dieter Boettcher, Karlsruhe, BW, Germany
Taschenbuch Hardcover. Condition: Gut. 199 Seiten Selbstverlag,alles sauber gut. Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 550.
Language: German
Published by Selbstverlag
Seller: Borkert, Schwarz und Zerfaß GbR, Berlin, Germany
brosch. Condition: Gut. 199 S., Guter Zustand. -- eine lange zeit ist verstrichen, bis ich wieder zu meinem schreiben zurückgefunden habe, acht monate. in diesem abschnitt des frühlings und des sommers hat sich das buch komplett gewandelt und trotzdem sich kaum verändert, äußerlich. -- es gibt einen Zeitpunkt, da kann dieser innere wandel nicht mehr mit einfließen. spätestens dann, wenn das buch gedruckt ist. -- wird es unweigerlich verbindlich, starr, und es altert, jeden morgen werde ich, den ganzen winter hindurch, aus der Versenkung hervorkehren, wie schon das jahr zuvor, die kerzen um mich herum zum leuchten bringen, bis die tage wieder so lang sind wie unsere nächte, dann sollte es beendet sein. -- frühling -- heute, früh am morgen, an diesem ersten tag sind die Straßen naß und feucht vom regen, es ist stockdunkel. -- im november ist unser dorf oft tagelang in dickem kalten nebel gehüllt, wir haben eigentlich keine andere wähl, als zu uns selbst zurückzukehren, außer - wir haben die Orientierung verloren und wissen gar nicht mehr, wo wir sind, dann wird es sehr schwierig, nur leere, überall unausgefüllt-sein, Wertlosigkeit. -- von diesem zustand handelt dieses buch. -- verstecken und verdrängen, sich selbst und die anderen, das haben wir menschen fleißig eingeübt, allen voran wir weißen männer. -- mein schreiben hat sich zur aufgabe gemacht, diese gewohnheiten zu durchbrechen, es ist eine subjektive autobiographie über mein bisheriges leben in dieser von männern und ihren autos geprägten gesellschaft. ehrlich gesagt kann ich autos nicht ausstehen! -- der aufhänger des buches sind die seelischen beschreibungen von eineinhalb jahren in meinem leben, die einen radikalen wandel in mir bewirkten. die eine zweite gebürt darstellen, genaugenommen hat dieses neugeborenwerden sich bis zum heutigen tag fortgesetzt, gleich einem rad, das die richtung wechselte und nach jahrelangem stolpern und speichenbrü-chen, sich in seiner eigenen rhythmischen bewegung befindet. -- das leben ist wandel, unaufhörlicher wandel. selten habe ich dieses so gespürt, wie in den letzten monaten. damals, vor sieben jahren, als meine mager-, eß- und brechsucht begann, wußte ich nicht einmal, daß es so etwas gab. ich fraß und kotzte und hatte keine ahnung, daß dies eine sucht ist, eine krankheit. ich hatte nur das gefühl, es hört nie wieder auf. -- die hungernden asketen in "siddharta" von hermann hesse haben mich schon damals fasziniert, völlig unabhängig von nahrung so wollte ich sein, oder der "hungerkünstler" bei kafka: umwerfend! anziehend! für mich ist es auch heute noch ein ungeklärtes phänomen, warum körper und geist in dieser art und weise auf eine Verletzung, auf ein sexuell mißbraucht werden in der kindheit reagieren, niemals war ich vorher mit diesem zustand von "problem-lösung", von sinn-findung, konfrontiert, weder durch fernsehen noch durch Zeitschriften, und trotzdem ist diese sucht als eine "hin-richtungs-form" aus mir erwachsen, eine eigenartige erscheinung! -- die autobiographie beginnt auf meiner indienreise und wird als gegenwärtige geschichte erzählt, dazwischen werden immer wieder gedichte und essenspläne aus der bis dahin zwei jahre andauernden eß- brechsucht eingefügt, vieles davon wird für die eine oder andere leserschaft auf den ersten seiten sehr wahnhaft, unverständlich und schizophren erscheinen, so ist es! so war es auch damals. -- die emotionen meiner damaligen seelenzustände stehen im Vordergrund, sind innere bilder und korrespondieren unaufhörlich mit meiner erlebten Vergangenheit und meinem unbewußten, ich habe mich noch einmal in diese Situation beim schreiben begeben müssen, um endgültig klarheit zu bekommen, um endlich diesen freß- und kotzhaufen auf den kompost schmeißen zu können, vieles klingt wie eine art alptraum und trotzdem ist es bittere und später dann unendlich schöne Wirklichkeit, womöglich -ich hoffe es allerdings nicht - werden nur diejenigen am beginn des buches den Zugang zu meinem schreiben finden, die selbst gespürt haben, was die todesspirale der eß- und brechsucht bedeutet. -- zwischen der geschichte gibt es immer wieder einschübe, männergesänge, gedichte. sie sind versuche, zu klären, neues sich entwickeln zu lassen, durchatmen, hoffnungen, Utopien, Visionen, leidenschaften, ein befreiendes lachen, ansätze zum nachdenken, nachfühlen und natürlich letztendlich zum handeln, ein handpreifliches-buch! rachegefühle für den weißen mann und seine taten, ich betone das wort für - nicht gegen! -- die rasende wut war und ist notwendig, um meine jahrelangen quälenden ängste überwinden zu können, um die alten lähmungen aufzubrechen, die lust auf rache hoffe ich in einen schöpferischen kreativen prozeß umwandeln zu können, der im kommenden frühling zarte pralle knospen aus der erde wachsen läßt, erwachende, strahlende sonnen, die in allen färben leuchten. -- eine blume ist liebe. -- überhaupt soll dieses buch mut machen, eine aufforderung sein, aus dieser apokalyptischen lähmenden Stimmung herauszukommen, hoffnung zu schöpfen, in widerstand zu treten für etwas, aufzustehen, nicht oberflächlich unser dasein anzugehen dank unserer bestimmung durch die Sterne, dank drogenkonsum, dank ideologischer theorien oder der hilfe eines abgefahrenen gurus. und auch nicht durch andere lebensberaterlnnen, die uns durch angeblich seelische hilfe das geld aus der tasche ziehen, um uns wieder gesellschaftsfähig, das heißt, dem System des weißen mannes gefällig zu machen. -- aber dafür ist es wichtig - und allerhöchste zeit für uns männer - den blick auf uns selbst zu wagen, nicht mehr ins schweigen zu flüchten oder sich hinter dem gebrüll vom "wilden mann" zu verstecken, der scheinbar immer noch bereit ist, sich im kindlich tödlichen kriegsspiel für die scheinbaren errungenschaften seiner väter und Vorfahren zu opfern, dieses riesig sich ausbreitende und angst machende "identifikationsloch" beim schauen in uns selbst, daß sich unweigerlich eines tages auftun wird, gilt es erst einmal aushalten zu lernen, über zwei.
Language: German
Publication Date: 1993
Seller: TschaunersWelt, Waldkirch, Germany
First Edition Signed
kart. Condition: Gut. Erstausgabe. 199 S.; 21 cm Sehr guter Zustand. Handschriftliche Widmung des Verfassers im Vorsatz ee Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 300.