Seller: Galerie Joseph Fach GmbH, Oberursel im Taunus, Germany
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Condition: guter Zustand. Graphitstift, mit Sepia laviert, auf bräunlichem Bütten mit Wasserzeichen: Wappenschild mit den Buchstaben D & C B (ähnlich Heawood 3267 und 3268; Paris um 1797). 63,7:49,1 cm. - Papier leicht vergilbt. Vergleichsliteratur: S. Francksen-Liesenfeld, Der Landschaftsmaler Ludwig Philipp Strack 1761-1836, Biographie und Werkverzeichnis, Veröffentlichungen der Oldenburgischen Landschaft, Bd. 14, 2008, G 42 und G 58. Gutachten: Dr. Silke Francksen-Mansfeld, Hamburg, vom 10.12.2017. - In ihrem ausführlichen Gutachten schreibt Dr. Silke Francksen-Liesenfeld u.a.: Die Zeichnung stellt einen nicht genau bestimmbaren Landschaftsausschnitt dar, den Strack 1806 und 1818/19 in zwei Wandgemäldezyklen malerisch umgesetzt hat. Die erste Fassung in Öl, die zu einem ursprünglich vermutlich neunteiligen, nicht vollständig erhaltenen Zyklus mit Ansichten aus Italien gehört, hatte Strack 1806 für das Stadtpalais des Kaufmanns und Konferenzrates Georg Friedrich Baur an der Pallmaille in Altona geschaffen und befindet sich heute im Besitz des Altonaer Museums in Hamburg. Der Bildtitel Felsental bei La Cava" ist in einer zeitgenössischen Quelle zu der leicht variierten Fassung überliefert, die zu dem 1818/19 entstandenen Wandgemäldezyklus im sogenannten Strack-Saal" des Oldenburger Schlosses - heute Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte - gehört. Die sechsteilige Ansichtenfolge mit Veduten aus Italien ist als Bestandteil einer Innenraumgestaltung für den ehemaligen herzoglichen Speisesaal in situ erhalten und wurde zwischen März 1818 und Februar 1819 von Strack im Auftrag Herzog Peter Friedrich Ludwigs ausgeführt. Protagonist in beiden Panneaus ist die mächtige Pinie, deren Ast- und Kronenbildungen sich mit der Darstellung in der Zeichnung bis in kleine Details decken. Aber auch einzelne, in der Zeichnung dargestellten Bäume lassen sich in den Gemälden als Baumindividuen wiederfinden, ebenso die in den Dunst der Ferne getauchte Krone einer zweiten kleineren Pinie im Hintergrund. Auch den bereits in der Zeichnung berücksichtigten Lichteinfall von rechts hat Strack in beide Wandbilder übernommen. In beiden malerischen Versionen wird dem Betrachter die harmonische Verbindung von Vegetation und Architektur in Form einer gemauerten Brücke mit Torbogen vor Augen geführt, die einen plätschernden Fluss überspannt und aufgrund nachweislich im Hinterland Salernos ehemals befindlicher ähnlicher Brückenkonstruktionen, vermutlich ebenfalls auf ein topographisches Motiv zurückgehen. Strack hatte im Jahr 1790 zusammen mit dem Landschaftszeichner Christoph Heinrich Kniep (1755-1825) in dem kleinen, nördlich von Salerno gelegenen Städtchen La Cava di Tirreni Quartier genommen, um von dort aus, die wegen ihres malerischen Charakters bei Künstlern und Italienreisenden gleichsam beliebte Gegend mit dem Zeichenstift zu durchwandern. Die nicht datierte und signierte Zeichnung dürfte demnach auf Naturstudien beruhen, die Strack damals während seiner Suche nach lohnenden Motiven in der zerklüfteten und von zahlreichen Wasserläufen durchzogenen Umgebung La Cavas aufgenommen hat. Die Zeichnung dürfte als Vorbereitung auf eine malerische Umsetzung um 1805/06 entstanden sein. Ludwig Philipp Stracks Mutter entstammte der großen Künstlerfamilie Tischbein. Sein eng mit ihm befreundeter Vetter war der berühmte Historien- und Porträtmaler J. H. Wilhelm Tischbein (1751-1829), der seine letzten 21 Lebensjahre ebenfalls am Hof des Oldenburger Herzogs Peter Friedrich Ludwig verbracht hat. Strack begann seine Malerausbildung 1773 in Kassel bei seinem Vetter, dem Kasseler Hofmaler J. H. Tischbein d. J. und wurde 1775 einer der ersten Schüler der Kasseler Kunstakademie. 1783 erhielt er seine erste Anstellung als Oldenburger Hofmaler des Prinzen und späteren Herzogs Peter Friedrich Ludwig. 1784 verließ er auf eigenen Wunsch den Oldenburger Hof und kehrte nach Wanderjahren in Hamburg und Lübeck 1786 nach Kassel zurück, wo er vornehmlich als Kopist seinen Lebensunterhalt bestritt. Mit einem Stipendium vom Kasseler Hof und dem Wunsch sich als Landschaftsmaler auszubilden, begab sich Strack von 1789 bis 1794 nach Italien (Rom, Neapel, einjährige Reise als Vedutenmaler einer Reisegruppe nach Sizilien, Kalabrien und Malta), wo er mit dem Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert und dem Landschaftszeichner Christoph Heinrich Kniep zusammentraf, die seinen künstlerischen Werdegang maßgeblich beeinflusst haben. Als ehemaliger Kasseler Stipendiat zur Anbietung seiner Dienste an den Kasseler Hof verpflichtet, wurde er 1796 nach seiner Heirat mit seiner Cousine Magdalena Margarethe Tischbein gegen seinen Wunsch zum Hofmaler Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel ernannt. Nach einer zunächst unerfüllt gebliebenen Bitte um Abschied ging Strack während eines ihm schließlich genehmigten Urlaubes 1798 an den Herzoglich-Oldenburgischen Hof nach Eutin, der ihn spätestens 1803, als die Residenz nach Oldenburg verlegt wurde und auch Strack dorthin übersiedelte, ein zweites Mal als Hofmaler angestellt. 1808 folgte ihm sein Vetter J. H. Wilhelm Tischbein, der als Hofmaler in der Sommerresidenz Eutin ansässig wurde. Während der französischen Besatzungszeit und Emigration des Oldenburger Herzogs nach Russland, lebte Strack mit seiner Frau und seinen fünf Kindern im dänischen Altona, wo er bei Mitgliedern des Hamburger Großbürgertums Auftraggeber fand. 1814 ging er zurück nach Eutin. 1815 wurde ihm der Wunsch nach erneuter Anstellung am Hof in Oldenburg erfüllt, wo er als Hofmaler unter Herzog Peter Friedrich Ludwig und ab 1829 unter dessen Sohn und Nachfolger Großherzog Paul Friedrich August bis zu seinem Tod im Jahr 1836 gelebt hat. Das künstlerische Oeuvre Stracks umfasst Gemälde, Zeichnungen, Lithographien, Kupferstiche und Radierungen, die neben Darstellungen des Schlossparks Wilhelmshöhe, des Holsteiner Seengebietes und Ansichten aus dem Herzogtum Oldenburg vornehmlich italienische Veduten und Ideallandschaften zum Bildthema haben und in denen er bis in die Schaffe.